Willkommen in der Software-Industrie 4.0

Die Digitalisierung erfasst auch die Software-Entwicklung

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Die digitale Transformation ist neben dem Internet of Things (IoT) und der Industrie 4.0 eines der grossen Trendthemen in der IT. Sie beeinflusst das Geschäft unserer Kunden ganz entscheidend. Doch nicht nur ihres.

Als unabhängiger Anbieter von Software-Lösungen haben wir über die letzten Jahre bedeutende Veränderungen auf dem Markt generell beobachtet, aber auch spezifisch bei unseren Kunden. Der entscheidende Treiber dahinter ist die Welle der digitalen Transformation, die als globaler Trend alle Branchen erfasst. Um in ihren Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Firmen Geschäftsmodelle komplett neu denken und in früher nicht vorstellbarer Geschwindigkeit neue Wege gehen. So hat sich zum Beispiel die Erwartungshaltung von Endkunden, wie sie mit Unternehmen kommunizieren können, radikal verändert. Endkunden erwarten heute einen mobilen Zugriff auf Angebote und einen aktiven Austausch. Sie sehen sich als Community auf Augenhöhe mit dem Unternehmen und wollen zunehmend involviert werden.

Endkunden wollen
zunehmend involviert werden.

Die Geschwindigkeit dieser Entwicklungen stellt unsere Kunden bei der Bereitstellung der dazu notwendigen IT-Lösungen vor immer neue Herausforderungen. Ansätze, wie sie unter den Begriffen «Bimodale IT» oder «Multi-Speed IT» bekannt sind, stossen dabei auf fruchtbaren Boden. Die Zeiten, in denen die IT eine reine Kostenposition darstellte, liegen definitiv hinter uns. Moderne Technologien (zum Beispiel Mobile und Cloud) und Ansätze (zum Beispiel DevOps und Continuous Deployment) in der IT zählen heute unwidersprochen zu den wichtigsten Faktoren, die es erlauben, schnell auf dynamische Kundenbedürfnisse und neue Markttrends zu reagieren.

Agile Zusammenarbeit und Planungssicherheit

Als Folge dieser Entwicklungen hat sich auch die Zusammenarbeit mit unseren Kunden drastisch verändert. Zum einen hat das Bedürfnis nach agiler Zusammenarbeit sprunghaft zugenommen. Früher beauftragte uns der Kunde im Sinne eines klassisch wasserfallorientierten Auftragsverhältnisses, schickte uns eine abgenommene Spezifikation und erwartete auf den vereinbarten Zeitpunkt die fertig entwickelte Lösung. Heute möchten uns unsere Kunden bereits während der Spezifikation der Lösung an Bord holen und später die Entwicklung der Lösung kontinuierlich begleiten, damit sie den Kurs laufend an neue Gegebenheiten anpassen können. Zum anderen ist das Bedürfnis unserer Kunden nach (Planungs-)Sicherheit gestiegen. Mit anderen Worten: Unsere Kunden wünschen sich einen Software-Delivery-Prozess, der die Agilität,

Um in ihren Märkten wettbewerbsfähig
zu bleiben, müssen Firmen Geschäftsmodelle komplett neu denken und in früher nicht vorstellbarer Geschwindigkeit neue Wege gehen.

die es für die Fertigung individueller Lösungen braucht, mit den Kerneigenschaften einer hoch industrialisierten Fertigung wie Planungssicherheit, reproduzierbare Qualität, tiefe Stückkosten pro Release und Geschwindigkeit vereint.

Durchgängie Digitalisierung als Differenzierungsmerkmal

Genau das haben wir uns bei AdNovum zur Aufgabe gemacht: Wir wollen unseren Kunden die Möglichkeit bieten, hoch agil und doch sicher neue Lösungen auf den Markt zu bringen. Dies erfordert eine konsequente Digitalisierung der Software-Fertigung von der Kundenanforderung bis zur Lieferung. Die durchgängige Digitalisierung ist für uns als Schweizer Software-Haus längerfristig entscheidend, wollen wir die wachsenden Ansprüche des Markts erfüllen. Sie ist für uns eine Chance, uns am Markt zu differenzieren und uns fit zu machen für den zunehmend internationalen Wettbewerb.

Schritt in ein digitales Software-Delivery-Modell

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Tom Sprenger, CTO

Als Voraussetzung für ein erfolgreiches, vernetztes Arbeiten in einem verteilten Ökosystem mit Kunden und Partnern müssen zwei Schlüsselelemente gegeben sein: Zum einen benötigen alle beteiligten Parteien ortsunabhängig Zugriff auf dieselbe Informationsbasis. Zum anderen muss sichergestellt werden, dass sowohl Kunden als auch Partner Zugriff auf die wichtigen Prozesse von gemeinsamen Projekten haben und sich aktiv einbringen können. Dies ist eine direkte Analogie zu Digitalisierungsinitiativen, beispielsweise in der Finanzindustrie, in der Endkunden und Beratungspartner heute über den digitalen Kanal Zugriff auf Geschäftsprozesse der Bank erhalten, um im direkten Dialog mit der Bank Geschäfte abzuwickeln.

Entscheidend ist das digitale Informationsmodell

Ortsunabhängige Verfügbarkeit und gemeinsamer Zugriff auf Prozesse bedingen den konsequenten Wechsel in ein digitales Software-Delivery-Modell. Ein solches Modell besteht im Wesentlichen aus zwei Hauptelementen: einem digitalen Software-Delivery-Prozess und einem digitalen Informationsmodell. Ersterer definiert die Abläufe der wichtigen Aufgaben und Arbeitsschritte von der Kundenanfrage bis zur Lieferung der Lösung. Dieser Prozess kann je nach

Bis heute werden vereinzelt Dokumente oder andere Artefakte physisch ausgetauscht.

Kundenprojekt verschiedene Ausprägungen haben. Die Varianz ist in diesem Fall unkritisch. Wichtig ist, dass der Prozess klar definiert und digital abgebildet ist sowie im Projekt gelebt wird. Entscheidend für den Erfolg eines digitalen Software-Delivery-Modells ist das digitale Informationsmodell, das heisst, dass alle Arbeitsergebnisse digital und strukturiert abgelegt werden. Sämtliche Prozessartefakte und Lieferobjekte wie Anforderungen, Spezifikationen, GUI-Designs und Tasks werden digital erstellt und bewirtschaftet. Dies klingt in der heutigen Zeit fast schon trivial. Die Praxis zeigt aber, dass das Modell noch lange nicht durchgängig digital umgesetzt ist. So werden bis heute vereinzelt noch Dokumente (zum Beispiel Spezifikationen) oder andere Artefakte physisch ausgetauscht.

Wichtige Informationen herausziehen

Doch selbst wenn alle Artefakte digital abgelegt sind, heisst das noch lange nicht, dass das digitale Informationsmodell durchgängig umgesetzt ist. Digitale Transformationen scheitern oft daran, dass trotz digitaler Datenflut nicht die wirklich wichtigen Informationen extrahiert werden können. Ein zentraler Teil jeder Digitalisierungsstrategie ist, aus den nach der Transformation verfügbaren Daten Wert zu schöpfen, um im bestehenden Geschäft besser oder schneller zu werden und neue Geschäftsmodelle umzusetzen. Konkret interessiert uns zum Beispiel, wie viele Iterationen wir im Testing durchlaufen mussten, bis das verlangte Qualitätsniveau erreicht war. Dies zeigt auf, wo wir ansetzen müssen, um Verbesserungen zu erreichen. Oder wir möchten herausfinden, ob irgendwo im Code Services mit Wiederverwendungspotenzial implementiert wurden, zum Beispiel Services zum Versenden von Mails. Durch die konsequente Wiederverwendung solcher Services können wir die Time-to-Market verkürzen.

Kunden, Partner und AdNovum arbeiten als gleichberechtigte Akteure auf einer virtuellen Kollaborationsplattform.

Kunden und Partner: mittendrin statt nur dabei

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Christian Widmer, regional CTO

Die Digitalisierung des Prozess- und Informationsmodells ist Voraussetzung für eine standort- und organisationsübergreifende Zusammenarbeit im Projekt-Ökosystem. Alle für ein Projekt relevanten Informationen sind zu jedem Zeitpunkt für jede berechtigte Person von jedem Ort aus zugänglich. Damit ist zum Beispiel die physische Präsenz bestimmter Personen für eine erfolgreiche Auftragsabwicklung nicht mehr zwingend. Kunden, Partner und AdNovum arbeiten als gleichberechtigte Akteure im Sinne eines projektbezogenen und hoch vernetzten Ökosystems gemeinsam auf einer virtuellen Kollaborationsplattform, die auf dem digitalen Prozess- und Informationsmodell aufsetzt.

 

Eine solche Kollaborationsplattform beinhaltet sämtliche Funktionen, die für eine digitale Software Delivery benötigt werden, und bietet damit weit mehr als die üblichen Kollaborationsdienste wie Mail, Chat, Task Management und Wikis. Sie ermöglicht damit komplett neue Arbeitsformen, so zum Beispiel die gemeinsame Entwicklung neuer Lösungen, auch bekannt als Co-Creation. Kunden erwerben nicht mehr eine fertige Lösung, die vorgängig definierte Bedürfnisse abdeckt, sondern die Möglichkeit, einen aktiven Part bei der Entwicklung der Lösung zu spielen. Dabei profitieren sie vom Know-how des Entwicklungsunternehmens aus ähnlichen Projekten, insbesondere von massgeschneiderter Projektmethodik und Best Practices.

Das klassische Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis verschwindet.

Co-Creation schafft Transparenz und baut Grenzen ab

Die Zusammenarbeit in digitalen Umgebungen bringt Veränderungen mit sich und erfordert nicht zuletzt auch Anpassungen an der Prozesslandschaft. Das klassische Auftraggeber-Auftragnehmer-Verhältnis verschwindet dabei zu Gunsten deutlich transparenterer und damit am Ende produktiverer Arbeitsformen wie der Co-Creation. Durch den Einsatz moderner Identity- und Access-Management-Mechanismen, wie sie zum Beispiel die NEVIS Security Suite bietet, verschwindet dabei die explizite Unterscheidung von intern und extern bezüglich der partizipierenden Organisationen zunehmend. So können im Rahmen eines Projekts alle involvierten Parteien über Organisationsgrenzen hinweg gleichberechtigt und medienbruchfrei zusammenarbeiten.

Bei Co-Creation ist das Feedback zu Arbeitsschritten unmittelbar.

Die praktische Erfahrung mit Kunden zeigt, dass Co-Creation-Ansätze gerade in Phasen mit hoher Unsicherheit die Geschwindigkeit deutlich erhöhen. So zum Beispiel zu Beginn eines Projekts, wenn die Anforderungen noch nicht restlos geklärt sind oder erst eine vage Idee der gesuchten Lösung besteht. Bei einem kollaborativen modellgestützten Ansatz kann bereits in dieser Phase das Wissen aller Teilnehmer genutzt werden und direkt auf das Resultat wirken. Aber auch während der Implementationsphase können in der Kollaborationsumgebung erste Resultate (zum Beispiel GUI-Flows) früh und niederschwellig gezeigt werden. Das Feedback zu Arbeitsschritten ist unmittelbar. Dadurch werden Fehlentwicklungen früh erkannt und korrigiert sowie Iterationszyklen zur Weiterentwicklung von Ideen und Lösungen dramatisch verkürzt. In der Konsequenz verkürzt sich als weiterer Effekt die Time-to-Market von der Idee über die Umsetzung bis zur produktiven Einführung, was wiederum die Entwicklungskosten senkt.

Den grössten Hebel bieten manuell erstellte Artefakte.

Digitale Information erzeugt Mehrwert

Werden sämtliche im Software-Delivery-Prozess erzeugten Artefakte im Modell abgelegt, können sie ohne zusätzlichen Aufwand laufend analysiert werden, was eine kontinuierliche Verbesserung erlaubt. Den grössten Hebel bezüglich Optimierung bieten manuell erstellte Artefakte wie Spezifikationen, Projektstrukturen, Source Code oder ganze Infrastrukturlandschaften. Dabei kann man zwischen Artefakten unterscheiden, die zwingend eine kreative Leistung erfordern, und solchen, die redundant erstellt oder aus vorhandenen Artefakten abgeleitet werden und somit weitgehend in reiner Fleissarbeit umgesetzt werden können.

 

Um brachliegendes Automatisierungspotenzial auszuloten, können wir in einem ersten Schritt die Informationen aus dem digitalen Software-Delivery-Modell nutzen. Wir ermitteln hierfür im Modell erst Aufgaben ohne kreativen Anteil und erzeugen danach aus den semantisch annotierten Artefakten Folgeartefakte. So lassen sich zum Beispiel aus einer Businessspezifikation architektonische Basiselemente extrahieren und daraus dann sowohl das projektspezifische Gerüst der Lösungsarchitektur als auch die Grundstruktur des Software-Projekts sowie dessen Systemdeployment automatisiert erstellen. An dieser Stelle sei explizit erwähnt, dass es dabei nicht um das Generieren von Businesslogik geht – diese bedarf in den meisten Fällen kreativer Kapazität und entzieht sich damit dem klassischen Generierungsansatz.

Fertigungstiefe reduzieren

Das Erstellen von Artefakten, die eine kreative Leistung erfordern, ist an Brain Power und damit an bestimmte Personen gebunden. Somit skaliert ihre Erstellung nur bedingt und sie sind entsprechend wertvoll. Heute werden solche Artefakte oft noch auf Papier oder in proprietären Formaten erstellt und abgelegt. In einem digitalen Software-Delivery-Modell sind sie zu jedem Zeitpunkt in digital aufgeschlüsselter Form und semantisch verknüpft verfügbar. Dadurch eröffnen sich neue Möglichkeiten.

Artefakte, die eine kreative Leistung erfordern, sind an Brain Power gebunden.

So können zum Beispiel durch entsprechendes Tooling ähnliche Artefakte inklusive ihres Kontexts sichtbar und verfügbar gemacht werden. Beispielsweise ist es möglich, beim Bau einer neuen Lösung vorgefertigte Bausteine aus einem bestehenden Service Repository zusammenzufügen. Durch die Reduktion der Fertigungstiefe lässt sich das mehrfache Erstellen von gleichen oder ähnlichen Artefakten weitgehend vermeiden. Dies setzt wertvolle kreative Kapazität frei, die an anderer Stelle höheren Mehrwert bringt.

Digitalisierung setzt Ressourcen frei

Die durchgängige Digitalisierung des Software-Delivery-Modells ermöglicht neue effizientere Formen der Zusammenarbeit sowie eine zusätzliche Automatisierung sowohl bei redundanten als auch bei kreativen Tasks. Sie setzt dadurch Ressourcen frei und erhöht gleichzeitig die Agilität in der Projektarbeit. Es wird damit deutlich einfacher, im Rahmen eines Projekts in enger Zusammenarbeit mit einem Kunden innovative Ansätze auszutesten. Auf diese Weise lässt sich stetige Innovation ohne grosses Risiko vorantreiben.

Das digitale Software-Delivery-Modell legt die Basis für Innovation in Form komplett neuer Angebote.

Nike macht es uns heute bereits vor. Kunden können über das Internet persönlich gestaltete Nike-Turnschuhe (NIKEiD) bestellen. Nike verknüpft dabei einen hoch automatisierten Herstellungsprozess mit der Option, das Resultat individuell zu gestalten. In der Fachsprache nennt man das auch individuelle Massenproduktion und Digital Fabrication. Der Schritt in ein digitales Software-Delivery-Modell schafft die Grundlage für analoge Möglichkeiten in der Software-Industrie, so dass sowohl wir als auch unsere Kunden neue Chancen im Markt schneller gezielt wahrnehmen können. Er legt aber auch die Basis für Innovation in Form komplett neuer Angebote – willkommen bei Software Engineering 4.0!

 

Autoren

Tom Sprenger

Tom Sprenger, Dr. sc. techn. ETH, kam 2000 als Software Engineer zu AdNovum. Ab 2002 leitete er die Schwesterfirma AdNovum Software Inc. in San Mateo, CA. Zurück in der Schweiz, wurde er 2007 zum Chief Information Officer (CIO) und zum Mitglied der Geschäftsleitung ernannt und baute den strategischen Geschäftsbereich IT Consulting auf. Seit 2013 ist er als Chief Technology Officer (CTO) für die Technologiestrategie – mit dem zentralen Thema Digital Evolution – und für die Business-Unit-Produkte verantwortlich. Wenn er mal nicht arbeitet, geniesst er seine Familie und im Winter sonnige Tage auf den Skipisten.

 

Christian Widmer

Christian Widmer, Dipl. Informatik-Ing. ETH, ist seit 2002 bei AdNovum tätig. Als technischer Projektleiter hat er eine Reihe von technisch komplexen Enterprise-Projekten betreut. 2010 zog er nach Singapur, um beim Aufbau der Schwesterfirma AdNovum Singapore Pte. Lte. mitzuhelfen. Als Regional CTO ist Christian Widmer seit 2013 massgeblich für die Definition und die Realisierung von AdNovums Strategie im asiatischen Mark zuständig. Abseits der Arbeit geniesst er als leidenschaftlicher Vater das Familienleben.